1957 Hulb

Flugtag 1957 Hulb Programm (1) sm

Programm

Am Samstag, den 28.September, gab es ein „Vorprogramm“ mit Passagierflügen auf Motor- und Segelflugzeugen auf dem Fluggelände, auf dem Böblinger Marktplatz die Ausstellung des französischen Nurflügel-Segelflugzeug Typ AV 36 und auf dem Sindelfinger Marktplatz eine Ausstellung  des ersten im Kreis Böblingen durch Amateur- flugzeugbauer erbauten Motorflugzeuges Typ Jodel-Bebe mit Volkswagenmotor. Das „Vorprogramm“ zum eigentlichen Großflugtag am Sonntag, den 14. Oktober waren Passagierflüge auf Motor-und Segelflugzeugen auf dem Fluggelände und Modellflugvor-führungen in Böblingen, Turnhalle Tübinger Strasse.

Die offizielle Veranstaltung begann dann um 13.30 Uhr mit einer kurzen Grußrede des Schirmherrn Bürgermeister Brumme. Das Programm im Detail

  • Flugzeugschlepp im Verband 3 Motor- und Segelflugzeuge (Burda-Staffel)
  • Hubschrauberakrobatik auf Bell 47 G2 (Deutsche Luftwaffe)
  • Ballonrammen und Vorführung der Piper Super Cub (Kühl,Offenburg)
  • Fallschirmabsprung aus 150 m manuelle Auslösung (Werner Voß, Deutscher Meister im Fallschirmsprung)
  • Schwieriger Kunstflug auf dem Flugzeug KL35 (Karl Voy, Böblingen)
  • Vorführung des französischen Nurflügel-Segelflugzeuges AV 36 (Flugzeugbau Frevel)
  • Hindernisstart und Hindernislandung auf Cesna L-19
  • Verbandsflug und „Circus“ (Burda-Staffel)
  • Fallschirmabsprung mit automatischer Auslösung (Liesl Schwab)
  • Lastenabwurf an Fallschirmen aus einer Biwer L-20 mit 550 PS-Sternmotor (US-Luftwaffe)
  • Segelkunstflug auf Lo 100 (Weltmeister Max Beck)
  • Kunstflug auf Bücker 131 (Flugkapitän Kopp)
  • Hubschraubertanz (US-Luftwaffe)
  • Vorführung Dornier D27 (Deutsche Luftwaffe)
  • Kunstflug auf Scheibe Sperrling ( Dip.-Ing. Hartmann)
  • Banneraufnahme von 35 m langen Bahnen aus dem Flug (Burda-Staffel)
  • Kunstflug auf Klemm KL 107 (Voy)
  • Lastentransport Vorführung von Rettungsübungen Sikorsky-Hubschrauber (US-Luftwaffe)
  • Verzögerungssprung aus 2500 m Höhe mit 40 Sekunden freien Falls, Landung mit zwei Fallschirmen (Voß)
  • Autorotation Sikorsky-Hubschrauber (US-Luftwaffe)
  • Vorführung Segelkunstflug an der Winde (Beck)
  • Vorführung von 4 Düsenjägern vom Typ T-33 (Deutsche Luftwaffe)

Veranstaltung (Zeitungsbericht)

Man hätte den Regenschirm zu Hause lassen und statt dessen Wintermantel und pelz- gefütterte Handschuhe mitnehmen sollen. Denn das Tief, das am Sonntag die Gemüter beim Flugtag in Böblingen bedrückte, verschonte die Zuschauer zwar mit andauerndem Regen, blies aber mit Windstärke 5 oder 6 unangenehme Kaltluft heran. Das Wetter war keinesfalls so, wie es sich die Veranstalter wünschten und wie sie es verdient hätten. Aber die dicke Suppe, die erst in etwa 500 bis 700 m Höhe begann, zwang wenigstens nicht zu rapiden Kürzungen und Streichungen im Programm. Der Besuch des Flugtags war zufriedenstellend. 20.000 Menschen standen am Nachmittag am Flughafengelände und erlebten fliegerische Darbietungen, wie man sie sich nur wünschen kann. Das Prädikat sehr gut gebührt auch der Organisation und der Polizei. Ein kleiner Unfall nach dem Fehlstart des Nurglügel-Segelflugzeuges AV36 ging zum Glück gut ab.

Um 13:30 Uhr zwischen Böblingen und dem Ehninger Wald notiert: Der erste Ansturm ist vorüber, Die Polizei hat die aus allen Himmelsrichtungen zum zweiten Flugtag nach Böblingen gekommenen Fahrzeuge unterbringen können. Am Fluggelände herrscht bereits größte……..ziehen die Segler ihre Kreise. Mit dem Ballonrammen, der nächsten Nummer, klappt es besser als im Vorjahr. Pilot Maier von der Burdastaffel ist ein Könner seines Fachs. Kaum ein Ballopulk, der ihm durch die Lappen geht. Stück für Stück „schießt“ er sie ab.

Fallschirmspringer erfreuen sich beim Publikum besonderer Beliebtheit, vor allem im Absprung aus geringen Höhen liegt ein gewisses Risiko. Man weiß das und starrt gespannt auf die Maschine, aus der in der nächsten Sekunde die 57 Jahre alte Liesel Schwab auftaucht. Aus knapp 30  m Höhe gleitet die Springerin zu Boden. Der 211. Sprung ihres Lebens ist geglückt. Werner Voß, Deutscher Meister im Fallschirmsprung, wagt sich noch 200m tiefer. Aus kaum 90 m Höhe springt er. Der neuartige Dreieckfallschirm, den er verwendet, macht dieses Wagnis fast risikolos.

Karl Voy auf der Klemm KL107, die sich in über 250 Flugstunden einen Namen gemacht hat, und in der 17 Jahre alten Klemm KL35 hat in seiner Heimatstadt Böblingen Hervor-ragendes zu bieten. Im schnellen Wechsel zeigt er mit der KL35 Loopings nach vorn, nach hinten, Turns, Pirouetten und den Rückenkreis. ……..zögerungsabsprung. Der Flugbetrieb geht inzwischen weiter. Die deutsche Luftwaffe hatte die Do27 vorgeführt, Kopp hat die Bücker 135 im Kunstflug gezeigt, die Burdastaffel demonstrierte die interessante Aufnah- me von Reklamebannern, und dann war es passiert: Beim Start im Schlepp kam der Nur-Flügel-Segler AV36 nicht richtig vom Boden ab, versuchte mit Rückenwind zu landen, stand plötzlich kopf und überschlug sich. Der Pilot wurde unverletzt unter der beschä- digten Maschine hervorgezogen.

Max Beck mit seiner Lo100 kann nicht auf die gewohnte Höhe von 1000 m aufsteigen. Das Programm verliert etwas. Er versucht herausholen, was herauszuholen ist, und geht bis kurz unter die Wolkendecke. Er zeigt den von ihm gewohnten vollendeten Kunstflug. Wie die Motorflugzeuge bietet er Loopings und Turns in rascher Folge. Und dann, als man glaubt, er wolle landen, wagt er dicht über der Erde noch einen Looping. Voß hat mit seinem Verzögerungssprung ebenfalls Pech. Er kann nicht auf 2000 m hinauf, sondern muß schon in 600 m aussteigen. Etwa 200 m legt er im freien Fall zurück, dann öffnet er den einen, wenig später den zweiten Schirm, und schon hat ihn die Erde wieder…….

Flugtag 1957 Hulb - W.Voss aus 150 m manuelle Auslösung

Flugtag 1957 Hulb (5)

Flugtag 1957 Hulb - Cirrus SR20 D-ECIR

Flugtag 1957 Hulb Scheibe Sperrling- Franz Medicus - Gerhard Metzger

 
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