1960

Am Veranstaltungstag, Sonntag den 28.August 1960, regnete es ab 5 Uhr morgens den ganzen Vormittag. Das Organisationsbüro wurde laufend angerufen ob der Flugtag stattfände. Die Auskunft war: Der Flugtag findet statt. Ein Ersatzprogramm mußte eiligst erstellt werden. Die Wetterwarte bestätigte schließlich die kurzfristige Besserung der Wetterlage und so hörte der Regen tatsächlich um 13:30 Uhr auf. Die Wolkenbasis war etwa 250 m über Grund. Das geänderte Programm begann:

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Start des Flugtages 13.30 Uhr. Bis 16.00 Uhr waren 70.000 Zuschauer anwesend

Begonnen wurde mit den Vorführungen  von Segelflugzeugen und leichten Motorflugzeu- gen. Die Burdastaffel fand mit ihren exakten Banner-Aufnahmen, mit dem „Luftzirkus“ und dem Ballonrammen viel Beifall. Auch für das Absetzen der Fallschirmspringer standen die Flugzeuge der Burdastaffel für alle notwendigen Höhenlagen zur Verfügung.

Die Vorführungen der Sikorsky-Hubschraubers, der den Spitznamen „fliegende Banane“ trägt und der mit seinen z.T.grotesk wirkenden Flugbewegungen oft großes erstaunen hervorrief, schleifte fast mühelos einen Jeep der Bundeswehr um das Fluggelände.

Großen Beifall fanden auch die geschickt in das Programm eingefügten Fallschirmab-sprünge, die aus verschiedenen Höhenlagen ausgeführt wurden, obwohl sie wegen der niedrigen Wolkenhöhe stark behindert waren.  So konnten z.B. die US-Skydrivers (Himmelstaucher) ihren bekannten Ketten-Verzögerungssprung nicht ausführen. Trotz- dem zeigten sie hervorragende Springerleistungen.

Die drei Italiener, mit Graf Giorgio Rinaldini an der Spitze, zeigten sich als besonders wagemutige Springer. Von 8 bis 35 Sekunden ließen sie sich durchfallen, bevor sie etwa 200 m über der Erde ihre Fallschirme  öffneten.

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Der Massenabsprung von Fallschirmjägern der Bundeswehr aus den beiden Noratlas-Transportern war der Höhepunkt der Fallschirmabsprünge. In etwa 400 m Höhe sprangen, von der Boden-Absetzstelle durch Funk dirigiert, in etwa zwei Anflügen etwa 80 Fallschirmjäger ab, die – mit einigen Ausnahmen – zielgerecht aufsetzten und dabei viel Beifall von den Zuschauern fanden.

Die französische Düsenjägerstaffel „Savoie“ mit ihren F64-Thunderflash-Maschinen eröffnete den Reigen der Düsenflugzeuge. Wegen der noch vorhandenen niedrigen Wolkendecke konnten sie das volle Kunstflugprogramm nicht vorführen. Die Darbie-tungen in ihrer exakten Ausführung zeigten jedoch sehr ausdrucksvoll, was noch zusätzlich in der Staffel steckt. So zeigten sie im Langsamflug mit ausgefahrenem Fahrwerk ihr meisterliches Können.

Höhepunkt des Flugtages waren wieder die „Skyblazers“. Mit ihren überschallschnellen Maschinen F104 Starfighter“ zeigten sie 20 Minuten lang wieder ein meisterhaftes und ausgefeiltes Programm, das kaum noch überboten werden kann. In zentimetergenauen Abständen von Flugzeug zu Flugzeug führten sie mit enormen Geschwindigkeiten exakte Flugfiguren aus.

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Mit der geradezu einmaligen Schlußfigur „Bomb burst“ verabschiedeten sich die „Skyblazers“ von den großen Beifall spendenden Zuschauern

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Einen ausgefeilten Kunstflug führte ein Pilot der Bundesluftwaffe mit dem Düsenflugzeug „Fouga Magister“ vor, das als Übungsflugzeug für die Ausbildung von Düsenjägerpiloten verwendet wird. Nicht zu vergessen auch die Vorführung der Do27, des Verbindungsflug-zeuges der Heeresflieger, die mit ihren hervorragenden Flugeigenschaften eine der bekanntesten Nachkriegskonstruktionen ist.

Der Bell-Hubschrauber der 160.Nachrichten-Gruppe der US-Armee, den mankunstvoll als „Augustin“ bemalt und aufgemacht hatte, spielte mit seinen heiteren Flugvorführungen den Clown des Flugtages und tanzte danach Walzermusik

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Nicht zu vergessen waren auch die ausgezeichneten Leistungen der Heeres-und Luft- waffenpiloten sowie der Leistungen der Sportflieger. Da wäre Gerd Müller, Präsident des Bayrischen Luftsportverbandes zu nennen, der mit seiner Bücker 131 ein ausgezeichnetes Kunstflugprogramm vorführte. Auch Gerd Rönsch, Fluglehrer an der BWL-Motorflug- schule in Echterdingen, zeigte bei seinem Flugtag-Debüt ebenfalls auf einer Bücker 131 als Nachwuchsflieger schon ein recht ordentliches Kunstflugprogramm. Seine Bodenakro- batik, die in manchen Flugfiguren noch etwas „eckig“ wirkte, fand bei den Zuschauern besonderen Beifall.

Max Beck mit seinem Segelkunstflugzeug Lo100 war, gegegnüber dem Donnerge- polter und vielem Rauch der Düsenjäger, von vornherein etwas im Nachteil. Er machte dies aber wieder wett mit seinem elegant und lautlos geflogenem Kunst- flug, den er meisterhaft beherrscht und die Kenner immer wieder begeistert.

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