1962

Programm Flugtage 1962331

Die Gross-Flugtage waren gekoppelt mit den Deutschen Kunstflugmeisterschaften und erstreckten sich praktisch über 3 Tage.

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Programm

Freitag, 31.August

  • 12:00 Uhr Begrüßung der Teilnehmer an der Kunstflugmeisterschaft
  • 14:00 Uhr Beginn des Trainings der Teilnehmer
  • 16:00 Uhr Beginn der Kunstflugmeisterschaft mit dem Pflichtprogramm
  • 19:00 Uhr Ende des Pflichtprogramm

Samstag, 01.September

  • 09:00 Uhr Fortsetzung der Kunstflugmeisterschaft mit der Kür
  • 12:00 Uhr Ende der Kür
  • 12:15 Uhr Passagierflüge
  • 14:00 Uhr Beginn des Großflugtages
  • 14:05 Uhr Vorführung Kleinstflugzeug Jodel (Brillinger, Ehningen)
  • 14:10 Uhr Vorführung Cessna „Skylark“ (FSG Böblingen)
  • 14:15 Uhr Vorführung Bölkow 207 (FSG Sindelfingen)
  • 14:20 Uhr Vorführung Do27 im Schnell-und Langsamflug (Heeresflieger, Friedrichshafen)
  • 14:30 Uhr Vorführung Hubschrauber Alouette (Heeresflieger, Friedrichshafen)
  • 14:40 Uhr Niedrigstabsprung aus 80 m Höhe mit Dreiecksfallschirm (Werner Voss, Beutelsbach)
  • 14:45 Uhr Vorführung Hubschrauber H34 (Heeresflieger, Friedrichshafen)
  • 15:00 Uhr Kunstflug auf Zlin – Meisterschaftskür 1961 (Pawolka, deutscher Kunstflugmeister)
  • 15:15 Uhr Vorführung Rettungsübung mit Großhubschrauber (Deutsche Luftwaffe, Fürstenfeldbruck)
  • 15:30 Uhr Segelkunstflug auf Lo 100 (Max Beck, Schwäbisch Gmünd)
  • 15:40 Uhr Vorführung Schleppfallschirm (Girnth, deutscher Sprungmeister)
  • 15:50 Uhr Verzögerungsabsprung aus 3000 m (Hauptmann Lepkowski, Heer)
  • 15:55 Uhr Vorführung Motor-Spatz (Fliegergruppe Leonberg)
  • 16:05 Uhr Mannschaftsverzögerungsabsprung mit Stabübergabe in der Luft (US-Skydivers, Wiesbaden)
  • 16:10 Uhr Mannschaftsverzögerungsabsprung aus 300 m Höhe mit 2500 m freiem Fall (Deutsches Sprungmeisterteam)
  • 16:20 Uhr Massenabsprünge aus Hubschraubern – 40 Springer (Deutsches Heer, Calw)
  • 17:00 Uhr Flugdemonstration der US-Luftwaffe auf Überschallflugzeugen (US-Luftwaffe, Rammstein)
  • 17:15 Uhr Flugdemonstration kanadischer Düsenflugzeuge (Königlich Kan. Luftwaffe, Lahr)
  • Kunstflug Magister-Team (Deutsche Luftwaffe, Landsberg)
  • 17:35 Uhr Rotationsflug mit Nachbrennereffekt auf 2 F100 (französische Luftwaffe)
  • 17:45 Uhr Verbandskunstflug auf Überschallflugzeugen 13 Flugzeugen Mystere IV der „Patrouille de France“ mit Raucheffekt (französiche Luftwaffe, Lyon)

Sonntag, den 2. September

  • 11:00 Uhr Kunstflugmeisterschaft Pflicht und Kür
  • 14:00 Uhr Beginn des Großflugtages mit einer kurzen Begrüßung
  • 14:05 Uhr Dreier-Segelflugschlepp (Burda-Staffel, Offenburg)
  • 16:20 Uhr Fallschirmabsprung mit 2 Schirmen (Voss, Beutelsbach)
  • 16:25 Uhr Kunstflug Deutscher Kunstflugmeister 1962 (der „Neue Meister)
  • 16:35 Uhr Mannschaftsverzögerungsabsprung mit freiem Fall mit Rauchspur und farbigen Fallschirmen (deutsches Sprungmeisterteam)
  • 16:40 Uhr Rettungsdemonstration auf Großhubschraubern (Deutsche Luftwaffe)
  • 16:50 Uhr Massenabsprung von 100 Fallschirmjägern aus Noratla (Deutsches Heer, Fallschirmjäger u. Luftwaffentransportgeschwader Neubiberg)
  • 17:00 Uhr Überschallflugprogramm in dichter Folge
    • USAF mit Überschalljägern F100
    • Königlich Kanadische Luftwaffe F86
    • Deutsche Luftwaffe Fouga-Magister

 Veranstaltung (Großflugtag)

Quelle  „Der Adler“

Die Deutsche Kunstflugmeisterschaft, die für 1962 den Flugsportgruppen Böblingen und Sindelfingen übertragen wurde, brachte den vorgenannten Fliegergruppen nicht nur viel Arbeit, sondern auch große finanzielle Belastungen. Weder der DAeC noch der Landesverband verfügten über Mittel für die Kunstflugneisterschaft, so daß das finanzielle Risiko der Meisterschaft, das bei etwa 20000 DM lag, allein von den Flugsportgruppen Böblingen und Sindelfingen zu tragen war. Dazu kamen noch die Teilnehmerpreise in Höhe von 7200 DM, die, wie sollte es schon sein, auch von den Gruppen bereitzustellen waren. Die Kunstflugmeisterschaft mußte deshalb – um zu Geld zu kommen – mit einem Flugtag gekoppelt werden. So kam es, daß auch dieses Jahr der bekannte Böblinger Flugtag, diesmal sogar an zwei Tagen, von den Fliegergruppen Böblingen und Sindelfingen in hervorragender und kameradschaftlicher Arbeit auf dem Landeplatz Böblingen-Hulb durchgeführt wurde.

Der erste Großglugtag am Samstag, dem 1. September, war trotz gutem Programm und bestem Wetter nur mäßig besucht. Nach vorsichtigen Schätzungen waren mit den Zaungästen nur etwa 40000 Zuschauer erschienen. Da die Zaungäste in der Überzahl waren, schaute es in der Tageskasse am Samstag abend nicht gerade rosig aus.

Doch der zweite Flugtag am darauffolgen den Tag (Sonntag) brachte die Wendung. Weit über 100000 Zuschauer waren nach Böblingen geströmt, um ihren Flugtag, wie schon seit Jahren, zu sehen. Wenn sich auch der größte Teil der Zuschauer – durch langjährige Erfahrung gewitzt – außerhalb des Sperrgebietes aufhielt, um keinen Obolus entrichten zu müssen, so kam doch noch eine erkleckliche Zahl von Zuschauern zusammen, die die Unkosten tragen halfen. Diesen Zuschauern sei herzlicher Dank gesagt.

So begann also das Flugtagprogramm am Sonntag, dem 2. September, vor begeisterten Zuschauern bei schönstem Wetter. Und weil es der Programmnummern gar so vielewaren, wurde der Start zum Flugtagbeginn durch die nimmermüden Flugleiter Hermann Becker, Ludwig Rauch und Hanns Schöllmann, bereits um 13 Uhr freigegeben. Die Darbietungen folgten in bunter Reihenfolge, so daß es kaum Kurzweil gab. Wenn einmal ein bißchen Ruhe war, sorgte der beim Publikum recht gut angekommene und geborene Flugtagsprecher Gerhard Roll für gut aufgelegte Zuschauer. Viel Aufmunterung war jedoch nicht notwendig, denn die Zuschauer waren alle vom gebotenen Programm, das sich vom Samstagsprogramm kaum unterschied, hellauf begeistert. Soviel Rauchfahnen – von Düsenflugzeugen und insbesondere von Spıingern mit Rauchsatz – hat es wohl noch auf keinem Flugtag gegeben. Die „Skydivers“ waren nicht zu halten. Von immer größeren Höhen sprangen sie ab, bis schließlich die Dienstgipfelhöhe ihrer Biwer-Flugzeuge fast erreicht war. Im freien Fall kurvten sie über den Köpfen der Zuschauer, deutlich sichtbar gemacht durch die verschieden farbigen Rauchsätze. 60 Sekunden freier Fall waren keine Seltenheit. Zu diesen sieben Springern gesellten sich die „Blue-Masters“,  Springergruppe der USAF. Elitespringer, von denen keiner unter 500 Absprüng aufweist. Mit ihren ausgezeichneten Sprüngen überboten sie sich selbst.

Dieses Sprungteam, das schon auf allen großen Flugtagen Europas und des amerikanischen Kontinents gesprungen war, zeigte zum erstenmal in Böblingen den „Bomb-Burst“. Zu viert sprangen sie aus Ihrem Hubschrauber aus 4500 Meter Höhe und ließen sich, durch Rauchfahnen markiert, Hand in Hand bis auf 3000 Meter Höhe fallen. Dann stießen sie sich wie eine platzende Bombe voneinander ab und jeder steuerte seinen freien Fall in eine andere Himmelsrichtung. Wunderbar waren die Rauchfahnen zu sehen, die die auseinanderstrebenden Springer deutlich am Himmel markierten. Bei etwa 1800 Meter strebten sie wieder zusammen und öffneten nach etwa 60 Sekunden freien Fall ihre Fallschirme, um kurz danach in einem am Boden ausgesteckten Geviert von 10 mal 10 Meter zu landen. Dieser Sprung war eine kleine Sensation. Unsere deutschen Springer, zwei von den in Schongau stationierten Luftlandeeinheíten, das Springerteam Buresch, und natürlich Werner Voss, eiferten diesen großen Könnern nach und man muß sagen – auch sie zeigten fabelhafte Leistungen. Aus Großhubschraubern – um bei den Springern zu bleiben – und aus zwei Noratlas wurden etwa 100 Springer angesetzt. Es war ein prächtiges Bild, die am blauen Himmel hängenden Fallschirme.

Außer Vorführungen von neuen Flugzeugkonstruktionen gab es natürlich für die Kenner des Kunstflugs am Samstag und am Sonntag beste Kost. Wo wird denn schon einmal geboten, daß der Deutsche Kunstflugmeister 1961, der Deutsche Kunstflugmeister 1962 und der Schweizer Kunstflugmeister Reisch und Max Beck – diesmal nur mit L0 100 – sowie die unsterblich junge Liesel Bach gleichzeitig zu sehen sind? Doch nicht nur der Sprungsport, der Kunstflug dominierte, sondern auch die Hubschrauberkonkurrenz kam zum Zug. Die Heeresflieger mit der Allouette, mit der H34 und ihrer Do zeigten, daß sie „up do date“ sind. Ein wahrer Reigen von Hubschrauberturns platzte los, als die Heeresflieger „dran“ waren.

Die Luftwaffenrettungsstaffel aus Lager Lechfeld fehlte nicht im Programm Sie rettete laufend – wenn auch immer die gleichen – Menschen und demonstrierte in einprägsamer Form, wie man Hubschrauber zu Rettungseinsätzen verwenden kann. Auch die Burdastaffel war – wie an Böblinger Flugtagen üblich – dabei. Sie bekam einen Ehrenplatz im

Programm, denn sie haben es wirklich verdient, ihr Ballonrammen, ihr Verbandszirkus, ihre Banneraufnahme waren wie immer fabelhaft. Derartige Vorführungen werden immer wieder gerne gesehen. Man merkte es deutlich am Beifall der Zuschauer.

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Je später es wurde, desto unruhiger wurde das Publikum. Sie warteten auf die angekündigten Düsenjäger. Keiner ging – und gegen 17 Uhr, nachdem das Programm fast abgewickelt war, war es soweit. Die USAF mit F 100 brauste heran. Sie demonstrierten Langsam- und Schnellflug und laborierten, für manche etwas zu wenig, mit dem Nachbrenner, daß die Luft nur so vibrierte.

Kaum waren die F 100 verschwunden, brausten zwei F 102 mit ihren Delta-Tragflächen über den Platz. Auch sie fiihrten Langsam- und Schnellflug vor, so daß die Zuschauer zufrieden sein konnten. 20 Minuten ging dieses nette lautstarke Spielchen bis die „Patrouille de France“ auf Mirage-Überschalljägern angeschossen kam.

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Es waren 8 Flugzeuge, die exakten Verbandskunstflug mit wunderbarem Raucheffekt zeigten. Immer, wenn die Staffel für wenige Sekunden den Platz ob ihres großen Kurvenradius verlassen, brauste in etwa 10 m Höhe eine Mirage, von irgend woher kommend vorbei, daß die Hüte, Eisbecher und weggeworfenen Papiere lebendig wurden und zusammen mit den nunmehr restlos begeisterten Zuschauern eine einzige bewegte Fläche bildeten. Immer wieder rollte der „Patrouille de France“- Verband, drehte Loopings, legte Rauchdecken in den französischen Nationalfarben, und des Sehens und Hörens war kein Ende, denn volle 17 Minuten zeigte die „Patrouille de France“ ihr Können.

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Zum Schluß der begeistert aufgenommenen „Bomb-Burst“ inmitten des wolkenlosen Himmels und dann war der Flugtag vorbei – zumindest für die Zuschauer. Für die Aktiven der beiden Fliegergruppen ging der Flugtag weiter, denn die „Parouille de France“, die ja Gäste der Gruppen seit Freitag waren, mußte wieder auf dem Luftweg mit „Sportflugzeugen“ – welch ein Unterschied – von Straßburg, ihrem Standort, nach Böblingen gebracht werden. Von Böblingen aus ging es dann in das „Bierzelt“ und von dort – so sagen bösartige Leute – ins Geschäft. Das Ergebnis der drei Tage kann auf einen kurzen Nenner gebracht werden. Wir können sagen, daß wir die Kunstflugmeisterschaft 1962 reibungslos, ohne jegliche finanzielle Unterstützung vom DAeC, zur vollen Zufriedenheit aller maßgeblichen Stellen abgewickelt haben. Plus und Minus gingen gerade auf. So manch einer wird nun denken… hätten die in Böblingen nur ihre zwei Flugtage und keine Kunstflugmeisterschaft gemacht, dann würden die Unkosten für die Kunstflugmeisterschaft jetzt auf der Haben-Seite stehen. – Keine Sportart wie gerade der Luftsport erfordert soviel Gemeinschaftsgeist. Es wäre daher falsch, bei solchen  Veranstaltungen, die ja dem gesamten Luftsport dienen, nur an den eigenen Geldbeutel zu denken. Mit der Durchführung der Deutschen Kunstflugmeisterschaften 1962 glauben wir, einen wesentlichen Beitrag für den gesamten deutschen Luftsport geleistet zu haben.

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