1964

Flugtag 1964 Hulb - Programm1 sm

Das Programm im Detail

  • Passagierflüge
  • 14:00 Uhr Verbandsschlepp von 3 Segelflugzeugen (Arzberger-Staffel, Essen-Mühlheim-Flughafen)
  • 14:10 Uhr Vorführung eines Segelflugzeuges mit eingebautem Hilfsmotor (FSG Böblingen u. Sindelfingen)
  • 14:14 Uhr Uhr Vorführung der Motorflugzeuge Klemm Kl107, Bölkow 207, Morane Saulnier, Cessna 182 und Cessna210 (FSG Sindelfingen u. Böblingen)
  • Ballonrammen mit 2 Motorflugzeugen (Arzberger-Staffel, Essen-Mühlheim-Flughafen)
  • Kunstflugprogramm – Pflicht – der Kunstflugmeisterschaft 1964 auf Zlin 226 (Pawolka, Gerhard, München – Deutscher Kunstflugmeister 1964)
  • Segelkunstflug auf Lo 199 (Max Beck, Schwäbisch Gmünd)
  • Banneraufnahme mit 3 Motorflugzeugen (Arzberger-Staffel)
  • Fallschirmabsprung aus 100 m Höhe (Werner Voss, Beutelsbach)
  • Meisterschaftskür auf Motorflugzeug Zlin 226 (Gerhard Pawolka, München, Deutscher Kunstflugmeister 1964)
  • Massenabsprung aus Hubschraubern (1.Luftlandedivision Eßlingen)
  • Verzögerungssprünge einzeln und in Gruppen aus Höhen von 1000 bis 4000 m. Sprungbild „die Bombe“ mit Rauchmarkierung und farbigen Fallschirmen, Zielabsprünge, Freifall bis 1 1/2 Minuten in miteinander verbundenen Dreier-Gruppen:
    • SKy-Diver-Mannschaft, bestes Heeres-Sprungteam USA in Europa. Team-Führer: Hanbury mit über 980 Absprüngen
    • Blue-Master-Mannschaft, bestes Luftwaffen-Sprungteam USA in Europa. Team-Führer: Hauptmann Donald Strobaugh mit über 1300 Absprüngen.
  • Vorführung von Düsenflugzeugen aller Art, darunter der F105, weltbestes Jagdflugzeug USAF – amerikanische Luftwaffe (Starthäfen Bittburg u. Wiesbaden)
  • Vorführung Düsenflugzeug Mirage III, des besten französischen Jagdflugzeuges – franz. Luftwaffe (Startflughafen Strassbourg)
  • Kunstflug auf Überschallflugzeug Super Sabre F100 mit Nachbrennereffekt – franz. Luftwaffe (Startflughafen Lahr)

Veranstaltung

aus „Der Adler“ gekürzt

Eine bunte Flugzeugschau boten die Piloten der Flugsportgruppen Böblingen und Sindelfingen, die den Zuschauern Sport- und Reisefiugzeuge der Typen Cessna 210, Cessna 182, Morane Saulnier, Bölkow 207 und 107 sowie Tipsy Nipper vorführten. Die Arzberger-Staffel zeigte mit der Banneraufnahme einen Ausschnitt aus ihrer fliegerischen Alltagsarbeit und ließ dann beim Ballonrammen die Trauben der bunten Luftballone gleich reihenweise platzen. Ein erster Höhepunkt war der Kunstflug der Sportflieger, den der Deutsche Meister – Gerhard Pawolka auf seiner Zlin 226 – mit dem Pfiichtprogramm der Deutschen Kunstflugmeisterschaft eröffnete. Und später zeigte Pawolka, der schon 1961 Titelträger gewesen war und die Meisterschaft 1962 in Böblingen verloren hatte, ehe ihm heuer der zweite Titelgewinn gelang, eine Meisterkür, die es in sich hatte, Rollen, Rollenkreise, Loopings, Turns folgten sich 20 Minuten lang ununterbrochen, und nicht weniger als 23 seiner Figuren waren negativ, also aus der Rückenlage heraus geflogen. Eine wahre Meisterleistung. Und ihm stand Jochen Engelbrecht aus Heidelberg mit dem Kleinflugzeug „Tipsy Nipper“ in keiner Weise nach. Wie er diesen Miniaturvogel in allen Lagen über den Platz und über die Köpfe der Zuschauer hinwegsteuerte, verdient volle Anerkennung.

Hoch oben mußte Altmeister Max Beck seine ersten Kunstflugfiguren in den Himmel zeichnen, denn er saß in einem Segelflugzeug des Typs „Lo 100“.

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Mit zu den Stars dieses Flugtags zählten die Fallschirmspringer, die ihre Kunst in allen Variationen darboten. Zur Eröffnung ließ sich Altmeister Werner Voß aus Beutelsbach im Remstal, der erst vor wenigen Wochen sein 30-Jahre-Jubiläum als Sportspringer feierte, in knapp 100 Meter Höhe aus dem Flugzeug fallen, um wenig später sicher zu landen.

Lange Hälse gab es bei allen Zuschauern, als in 3500 m Höhe ein Punkt sich von einem Hubschrauber löste, gleich darauf eine Rauchspur nach sich zog und sich erst lange Zeit später als drei Fallschirmspringer entpuppte. Die Blue-Masters, das Springerteam der US-Luftwaffe aus Wiesbaden, zeigte ihren berühmten „bomb burst“ mit über 2500 m freiem Fall. Und einer der Springer landete fast auf den Millimeter genau im Zielkreuz!

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Drei Windspringer vorweg, das war der Beginn eines Reihenabsprungs von 60 Fallschirmjägern des Fallsdıirmjägerbataillons 251 der Bundeswehr. Beim zweiten Anfiug der beiden mächtigen Noratlas-Transporter, die die Luftwaffe eigens für den Flugtag zur Verfügung gestellt hatte, fielen dann die Fallschirmjäger, wie Perlen an der Kette, aus den Maschinen, um wenig später auf den Wiesen zu landen, die sie ansonsten meist nur vom Geländedienst her kennen.

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Und Fallschirmspringer bildeten auch den Abschluß des Programms, denn erst ganz zum Schluß kamen die Sky-Divers vom amerikanisch-deutschen Fallschirmspringerklub Stuttgart zum Sprung, die für diesen Flugtag keinen Hubschrauber erhalten konnten und dann von einem Noratlas-Transporter der Bundeswehr von Echterdingen aus das Böblinger Fluggelände anflogen. So, als wollten sie ihr Mißgeschick ausgleichen, zeigten diese acht Springer eine wahre Meisterleistung, denn sie lösten sich nach ihrem Gruppensprung in weit mehr als 3000 Meter Höhe aus ihrem „Verband“, um sich dann wieder zusammenzufinden und schließlich getrennt die Schirme zu ziehen.

Mit Spannung von den Zuschauern rund um den Platz – und selbstverständlich auch von denen, die bis zu zehn Kilometer vom Platz entfernt auf den Höhen standen und das Luftschauspiel betrachteten – erwartet wurden die Düsenjäger. Die amerikanische Luftwaffe, sonst immer im Mittelpunkt der Böblinger Flugtage stehend, enttäuschte etwas, denn sie bot diesmal nur „Vorbeiflug in gerader Haltung“.

Zwei Abfangjäger vom Typ F 102 „Delta Dagger“ (Delta-Dolch) und zwei Aufklärer des Typs RF 101 „Voodoo“ (Hexerei) brausten mehrmals im Verband in knapp 100 m Höhe über den Flugplatz hinweg und schalteten dabei die Nachbrenner ein, so daß lange Flammen garben aus den Triebwerken schossen und mörderisches Donnern über das Land schallte.

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Fast noch besser machten das die beiden F – 100 – Piloten der französischen Luftwaffe, die mit ihren „Super-Säbeln“ Rollen, Loopings, Messerfiug und selbst Rückflug in buntem Wechsel und kreuz und quer durcheinander demonstrierten.

Krönung des Flugtags aber war zweifelsohne die Darbietung des französischen Oberleutnants Jeanroy, der erstmals den Start der französischen Luftwaffe, die Mirage III“ (Wunder III), bei einem Flugtag in Deutschland im Kunstflug zeigte. Rund 20 Minuten lang ließ der junge Offizier seinen Delta-Jäger bald in mehreren tausend Meter Höhe, bald dicht über den Köpfen der Zuschauer dahinbrausen, zeigte Loopings mit einem Radius von einigen Kilometern, gesteuerte und gerissene Rollen, Aufschwünge und vor allem Tiefflüge, die so ganz nach dem Herzen des Publikums waren. Zehntausende von Taschentüchern winkten dem schneidigen Piloten verdienten Beifall, denn er war der König unter den Königen hinter dem Steuer.

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